Risikostreuung bzw. Portfoliodiversifizierung bei der Geldanlage
8.10.2007 GeldanlageWas sind für Kapitalanleger die wichtigsten Kriterien bei der Geldanlage? In erster Line werden dies meist die Rendite und die Sicherheit der Kapitalanlage sein. Dazu kommen oft noch andere Kriterien wie Laufzeit (schnelle Verfügbarkeit bzw. Fungibilität der Kapitalanlage), niedrige Besteuerung, wenig Zeitaufwand bei der Verwaltung und hin und wieder auch ethische Fragen.
Schön und gut – oder doch nicht? Problematisch ist bei den verschiedenen Kriterien der Geldanlage, dass sie meist gegensätzlich sind. Das heißt, dass sich z. B. das Ziel einer hohen Rendite nicht gleichzeitig mit der maximal möglichen Sicherheit einer Geldanlage vereinen lässt. Nach dem Motto: „Wer nichts wagt der nichts gewinnt!“. Es ist bei der Kapitalanlage also immer ein Balanceakt einen Ausgleich zwischen den angestrebten Kriterien zu finden.
Bei einer einzelnen Geldanlage ist es schwer auf ein gutes Rendite-Risikoverhältnis zu kommen. Anders sieht es bei einem Portfolio aus. Hier können Methoden der Statistik angewandt werden um die Rendite-Risikostruktur des Portfolios zu optimieren. Bereits in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts veröffentlich H. M. Markowitz seine Portfolio-Theorie. Eine Kernaussage der Portfolio-Theorie ist, dass es möglich ist, dass Risiko-Renditeverhältnis eines Portfolios zu optimieren, indem man Risikostreuung bzw. Portfoliodiversifizierung bei der Geldanlage betreibt. Konkret heißt das, dass man eine gute Rendite bei geringem Risiko erzielen kann, wenn man bei der Geldanlage sein Portfolio mit Werten (Assets) ausstattet, deren Kurse/Preise voneinander möglichst unabhängig sind, die sich also möglichst wenig beeinflussen. Mathematisch ausgedrückt heißt dass: Zwischen je zwei Geldanlagen in einem Portfolio soll eine möglichst geringe Korrelation (Abhängigkeit) bestehen.
Ein Beispiel am Aktienmarkt: Die Kurse von Aktien sind generell über Indizes und die allgemeine Stimmungslage an den Börsen aneinander gekoppelt. Für eine Aktie besteht also in der Regel eine gewisse Abhängigkeit vom Index. Wenn der Index fällt, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch die Einzelaktie fällt und wenn der Index steigt, wird auch die Einzelaktie mit hoher Wahrscheinlichkeit steigen. Daraus kann man schon einmal ableiten, dass es nicht unbedingt klug ist, sein Geld komplett in Aktien zu investieren, sondern bei der Geldanlage Risikostreuung zu betreiben und auch in andere Anlageklassen zu investieren. Um das Beispiel zu vertiefen nehme man an, man habe Aktien einer Automarke und ihrer Zuliefererbetriebe erworben. Hinsichtlich der Theorie der Portfoliodiversifizierung ist dies schlecht. Denn geht es der Automarke schlecht, dann wird es auch ihren Zulieferern nicht gerade blendet gehen. Eine Verbesserungsmöglichkeit wäre es nach der Portfoliotheorie beispielsweise die Zuliefer-Aktien zu verkaufen und stattdessen in Aktien aus der Lebensmittelbranche zu investieren. Zwischen der Automarke und einem Hersteller von Lebensmitteln ergibt sich auf den ersten Blick zumindest keine große Abhängigkeit. Geht es der Automarke schlecht, besteht trotzdem die Chance, dass es dem Lebensmittelhersteller gut geht. Möglicherweise geht sogar beiden gut. Zumindest – und das ist wichtig – implizieren schlechte Geschäfte der Automarke keine schlechten Geschäfte der Lebensmittelbranche und umgekehrt.
Dieser Artikel sollte Ihnen nur eine Grundvorstellung liefern, worum es sich beim Thema
Geldanlage/Kapitalanlage und Portfoliotheorie bzw. Risikostreuung handelt. Weitere Artikel, in denen konkreter auf Portfoliotheorie, Geldanlage und andere Optimierungsstrategien (sowohl qualitativ als auch quantitativ) bei der Geldanlage eingegangen wird, werden demnächst folgen.
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